Brigitte Sauzay

Individueller Schüleraustausch mit Frankreich im Rahmen des Brigitte-Sauzay-Programms

Margit Hotter

 

Seit einigen Jahren nehmen Schüler aus Stein und Schüler aus unseren Partnerschulen in Frankreich sehr gerne das Angebot des deutsch-französischen Jugendwerks wahr, zwei bis drei Monate in Stein bzw. in Frankreich (Paris, La Réunion) bei ausgesuchten Familien zu verbringen.

In diesem Schuljahr durften wir zehn französische Gäste im Gymnasium Stein begrüßen – sieben Schüler aus Paris und drei Schüler aus La Réunion. Sie besuchen in der Regel den Unterricht ihrer deutschen Partner.


Wie läuft der Austausch ab?

Die deutschen Schüler bleiben meist drei Monate in Frankreich. In Einzelfällen kann die Aufenthaltsdauer auch auf acht Wochen begrenzt werden. Der Zeitpunkt des Austausches wird in Abstimmung mit den verantwortlichen Lehrern der beteiligten Schulen gewählt. Während ihres Aufenthaltes sind die deutschen Schüler in der Familie ihres Austauschpartners untergebracht und besuchen mindestens sechs Wochen lang den französischen Unterricht.

Im Gegenzug nehmen die deutschen Schüler ihren französischen Partner in ihrer Familie auf und besuchen gemeinsam mit ihm die Schule in Deutschland. (Das Programm beruht somit auf Gegenseitigkeit; die Aufenthalte sollen natürlich nicht gleichzeitig, sondern nacheinander stattfinden.)

 

Einen Austauschpartner finden

Die Initiative zu einem Einzelaustausch kann vom Schüler oder vom Lehrer ausgehen. Wenn ein Schüler einen Austausch machen möchte, sollte er sich in jedem Fall zunächst an seinen Französischlehrer wenden. Dieser kann, sofern eine Partnerschaft mit einer französischen Schule besteht, über den Deutschlehrer in Frankreich Kontakte zu interessierten Schülern auf französischer Seite herstellen.

Gegebenenfalls können auch die Schulbehörden der Länder und die französischen Rectorats d’Académie bei der Suche nach einem geeigneten Partner behilflich sein. Einige Bundesländer bieten im Rahmen bestehender Regionalpartnerschaften Hilfe bei der Vermittlung für den individuellen Schüleraustausch an.
Nähere Auskünfte dazu sowie zu den administrativen, juristischen und pädagogischen Rahmenbedingungen (siehe „Gemeinsame Erklärung“ vom 30. Juni 1989) erteilt die jeweils zuständige Schulbehörde. Auch Einschreibeformulare und Zuschussanträge sind dort erhältlich.

 

Wie organisiere ich einen solchen Austausch?

Die Entscheidung über die Teilnahme am Austausch und die Aufnahme eines Partnerschülers wird von den verantwortlichen Lehrern und dem Schulleiter getroffen. Sobald sich die deutsche und französische Schule über die Modalitäten des Austausches geeinigt haben, informieren sie hierüber offiziell die deutsche bzw. französische Schulbehörde.

 

Unterstützung durch das DFJW

Das DFJW kann den Teilnehmern einen pauschalen Zuschuss zu den Fahrtkosten gewähren, sofern vor Beginn des Austausches über die zuständige Schulbehörde ein entsprechender Zuschussantrag der Schule eingereicht wird. Die Antragsformulare können bei der zuständigen Schulbehörde oder direkt beim DFJW angefordert werden.

Die Überweisung des Fahrtkostenzuschusses erfolgt nach der Rückkehr der Schüler gegen Vorlage eines Erfahrungsberichtes und einer Bescheinigung der französischen Schule über die Dauer des Aufenthaltes.

 

Erfahrungsbericht

Alexandra Anghel, 10c

 

«Oh, Champs Élysées» – Wer träumt nicht davon, drei ganze Monate in Paris, der angeblich schönsten Stadt der Welt, zu verbringen, auf dem Eiffelturm den atemberaubenden Ausblick zu genießen und auf den Champs Elysées spazieren zu gehen.

Auch in diesem Jahr ermöglichte Frau Hotter im Rahmen des Brigitte-Sauzay-Programms, einigen Schülern der 9. und 10. Klassen an einem individuellen Schüleraustausch mit der Schule Louise-de-Marillac in Paris teilzunehmen. Einem „Lycée“ entspricht bei uns die Oberstufe des Gymnasiums. Das Lycée Louise-de-Marillac ist – wie das Collège Sœur Rosalie, das sich im gleichen Gebäude befindet – eine Privatschule mit nur ca. 300 Schülern, direkt neben dem „Jardin des Plantes“ gelegen, dem berühmten botanischen Garten in Paris. Die Schule nimmt an mehreren Austauschprogrammen teil – z. B. auch mit einer Schule in Schottland – und heißt Austauschschüler immer wieder gerne willkommen.

Doch was versteht man eigentlich unter einem „individuellen Schüleraustausch“ und was ist das Brigitte-Sauzay Programm?

Während eines individuellen Austausches ist man kostenlos in der jeweiligen Gastfamilie untergebracht, wobei die Dauer des Aufenthalts vom Deutsch-Französischen Jugendwerk vorgegeben wird, und verfolgt in der Partnerschule den Unterricht des Austauschpartners. Es sind keine Lehrer der eigenen Schule als Begleitung dabei, dementsprechend gibt es kein festgelegtes Programm. Außerdem ist der genaue Zeitraum des Aufenthalts variabel und kann individuell direkt mit den Austauschpartnern festgelegt werden. Dieser Austausch beruht natürlich auf Gegenseitigkeit, also muss man selbst auch einen Schüler der Partnerschule aufnehmen. Dabei verbringen die Schüler normalerweise drei Monate in Frankreich, mindestens jedoch 56 Tage, wobei die meisten von uns für zwei Monate geblieben sind. Die Fahrtkosten werden vom DFJW getragen. Es muss jedoch beachtet werden, dass der Unterricht im anderen Land mindestens sechs Wochen lang besucht wird, obwohl es natürlich besonders schön wäre, auch während der Ferien dort zu sein, um sich die Stadt richtig anzusehen, mit der Gastfamilie Zeit zu verbringen und den Aufenthalt richtig zu genießen. Zusätzlich muss man bereits seit zwei Jahren Französisch lernen. Das bedeutet, dass der Austausch bei uns zwar ab der 8. Klasse möglich ist, sich aber in der 9. und 10. Klasse eher anbietet. Natürlich können sich die interessierten Schüler darauf einigen, gleichzeitig zu fahren, um die Zeit in Paris gemeinsam verbringen zu können.

 

Weiterhin möchte ich darüber berichten, welche Erfahrungen wir Austauschschüler seit dem Schuljahr 2009/10 gesammelt haben.

Die Mehrzahl der französischen Schüler war gegen Ende des vorletzten Schuljahres bei uns zu Besuch, von Mitte Juni bis Anfang August. Begeistert von unseren kurzen Schultagen – in Frankreich besuchen sie eine Ganztagsschule – und vom fantastischen, sonnigen Wetter haben sie ihre Ferien und den Wechsel von der Weltmetropole Paris zum eher beschaulichen Stein in vollen Zügen genossen. Im Schwimmbad, bei Kinobesuchen und Spaziergängen in der Nürnberger Altstadt konnten wir unseren Gastschülern unsere Heimat und unsere Lebensweise zeigen und sie richtig kennenlernen. Beim Abschied flossen natürlich wie immer dicke Krokodilstränen, aber gleichzeitig waren wir schon alle darauf gespannt, was uns in Paris erwarten würde.

Für manche war es dann schon im gleichen Sommer soweit, für andere erst im Herbst, zu Beginn des Schuljahres 2010/11 oder erst im April 2011. Der Besuch in Paris war für uns ein großes Abenteuer. Auf der Hinfahrt war die Aufregung kaum auszuhalten, ob wir per Flugzeug oder mit dem berühmten TGV, dem französischen Hochgeschwindigkeitszug, anreisten.

Das erste Highlight war natürlich, unsere Austauschpartner wieder zu sehen und unsere Gastfamilien kennenzulernen, wobei wir alle unglaublich herzlich nach französischer Tradition – also mit Küsschen auf die Wangen – begrüßt wurden.

In der Schule wurden wir genauso freundlich aufgenommen, von den Klassenkameraden unserer Austauschpartner und deren Lehrern gleichermaßen. Sie bemühten sich sehr, uns in den Unterricht mit einzubeziehen und waren für Fragen immer offen.

Bei schönem Wetter haben wir mit unseren neuen Freunden die Mittagspause immer im wunderschönen botanischen Garten verbracht, einer der schönsten Attraktionen von Paris. Er ist auch ein perfekter Ort, um nach der Schule noch ein wenig Zeit mit Freunden zu verbringen oder einen Spaziergang in die Stadt zu planen.

Nach den langen Tagen in der Schule blieb leider nie besonders viel Zeit, um noch etwas zu unternehmen, vor allem auch, weil natürlich nie auf das ausgiebige und immer aus mehreren Gängen bestehende typisch französische Abendessen verzichtet wurde.

An den Wochenenden und auch während der Ferien besuchten wir nacheinander alle Sehenswürdigkeiten, wie den Invalidendom, den Triumphbogen, den Eiffelturm, die berühmten Champs Élysées, Notre-Dame und Sacré-Cœur. Eine Bootsfahrt auf der Seine mit wundervollem Blick auf Paris bei Nacht, ein Spaziergang durch das Künstlerviertel Montmartre, die Mona-Lisa im Louvre, die typisch französischen Crêpes, kurzum der ganze Reiseführer über Paris wurde mit Hilfe der „Métro“, der Pariser U-Bahn, abgearbeitet, die uns mit unseren Austauschpartnern praktisch überallhin brachte.

Eine der schönsten Attraktionen liegt jedoch etwas außerhalb von Paris und ist etwas ruhiger gelegen: das Schloss von Versailles. In malerischer Landschaft, mit außergewöhnlichen und märchenhaften Gärten kann man einen ganzen Tag dort verbringen und auch die alten, prunkvollen Gemächer der früheren Könige von Frankreich besichtigen.

Aber alles hat sein Ende – genau wie unsere Zeit in Paris. Und diesmal ist uns allen der Abschied besonders schwer gefallen. Trost haben uns nur die Zukunftspläne gespendet, die wir mit unseren neuen französischen Freunden geschmiedet haben, wann wir uns wieder gegenseitig besuchen würden. Für uns alle, die deutschen und französischen Schüler, aber auch für unsere Familien war der Austausch ein einmaliges und sehr lehrreiches Erlebnis. Besonders für Schüler, die ganz besonders auf die Verbesserung der Fremdsprache und das Knüpfen lange anhaltender Kontakte Wert legen und noch nicht die Chance hatten, an einem von der Schule organisierten Austausch teilzunehmen, ist das Brigitte-Sauzay-Programm eine perfekte Gelegenheit für einen Auslandsaufenthalt in Frankreich.

Ich lege jedem Schüler ans Herz, die Chance zu einem solchen Austausch zu nutzen. Auch wenn man sich anfangs nicht vollkommen sicher darüber ist, wäre es wirklich unglaublich schade, sich diese Gelegenheit entgehen zu lassen.