Betriebspraktikum

Jedes Jahr findet Ende Juni bzw. Anfang Juli eine Praktikumswoche für die 9. Klassen statt. Alle Schüler/innen der 9. Klassen sind in Betrieben unterwegs, um einen Einblick ins Berufsleben zu erhalten.

 

 

 

 

Live on Air

Eine Woche beim Radio

 Meine Praktikumsstelle war eigentlich ein sogenannter „Glücksgriff“, denn Praktika beim Radio werden für nur eine Woche und noch dazu für Praktikanten ohne Führerschein – um gegebenenfalls Kaffee zu holen – grundsätzlich nicht vergeben. Dennoch war es mir möglich, fünf Tage beim Sender Radio F zu verbringen, wo mich Moderator Markus Balek, den ich von früher kenne, unter seine Fittiche nahm ... beziehungsweise nehmen wollte.

Am Montag, dem ersten Praktikumstag, kam ich pünktlich um 10 Uhr im Funkhaus Nürnberg an und wurde von einer Sekretärin durch die Büros von Radio Charivari, Gong und N1 bis hin zu Radio F gebracht, wo aber niemand mit mir rechnete! Mein Betreuer hatte mich vergessen; er hatte sich frei genommen. Deshalb begleitete ich eine andere Praktikantin zu einer Pressekonferenz in die Nürnberger Innenstadt. Sie führte ein Interview durch, das ich im Studio im Anschluss schneiden durfte.

Um seinen Fehler von Montag wieder gutzumachen, holte mich Markus am Dienstag gleich von zu Hause ab und wir fuhren zu einem Außentermin. Es handelte sich um mein erstes eigenes Interview, wie ich auf der Fahrt erfuhr. Ich dachte mir also einige Fragen für den Schwabacher Schwimmbad-Chef aus und meinem Interview über das Spendenschwimmen stand nichts mehr im Wege. Zurück im Funkhaus verfasste ich noch einen passenden Textbeitrag, der kurz darauf in der Show zu hören war.

Am Mittwoch beschloss ich, mit Markus im Studio zu bleiben, da er an diesem Tag seine Sendung hatte. Ich kam direkt mit ins Sendestudio, wo ich mitbekam, wie er „Live on Air“ ganz Nürnberg unterhielt.
Danach zeigte er mir eine Presse-Seite der Polizei, von der ich wichtige Meldungen aussuchen sollte. Diese formulierte ich zu Nachrichtenmeldungen um und gab sie an die Nachrichtensprecher weiter.
Außerdem war es noch meine Aufgabe, die Nacht zu „mergen“. Zu spielende Songs sind zwar durch die Geschäftsleitung vorgegeben, jedoch müssen immer wieder Erkennungsmelodien – auch Jingles genannt – eingespielt werden. Diese durfte ich aus einer großen Auswahl für die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag bestimmen.

 

Donnerstags wartete das Highlight der Woche auf mich: Eine Pressetermin mit den Geissens!

Im Gegensatz zu allen angereisten Fans, die hinter einer Absperrung standen, hatte ich die Möglichkeit im VIP-Bereich auf Carmen und Rooobert zu warten, die natürlich durch einen Frisörtermin eine Verspätung von einer Stunde hatten. Ein Interview war an diesem Tag nicht möglich, wir konnten die beiden lediglich zum Einsprechen verschiedener „Station-Ids“ gewinnen. Sätze wie „Wir sind die Geissens und Sie hören Radio F“ – gesprochen von Carmen Geiss – laufen jetzt regelmäßig auf dem Sender. Ich konnte zusätzlich noch eine der heißbegehrten Autogrammkarten ergattern.
Wieder im Funkhaus angekommen, besuchte ich noch für zwei Stunden den Sender Radio N1, der im gleichen Haus arbeitet. Dort war ich wieder live im Studio dabei, während Benni Kostal seine Show hatte. Wenn er gerade nichts sagen musste, beantwortete er mir Fragen und versuchte mir die komplizierte Studiotechnik zu erklären.

Am Freitag war ich für einen kompletten Radiobeitrag zuständig: „Fränkisch im Duden“.
Ich machte mich zu Fuß – nur mit einem Radio F-Mikrofon und einem kleinen Fränkisch-Wörterbuch ausgestattet – auf den Weg zum Dianaplatz. Dort versuchte ich einige Passanten zu interviewen, was gar nicht so leicht war. Viele lehnten sofort ab oder hatten keine Zeit. Am Ende ging es aber doch – mit ein paar auf dem Mikro gespeicherten Meinungen – zurück ins Studio. Dort schnitt ich das aufgenommene Material und verfasste noch einen passenden Radio-Text für die Sendung.
Zum Abschluss durfte ich den Sieger eines Hörergewinnspiels küren, nachdem ich mir alle – manchmal sehr lustigen – Lösungsvorschläge auf dem Anrufbeantworter der Reihe nach angehört hatte. Die oft gestellte Frage, wer eigentlich den Gewinner eines solchen Gewinnspiels auswählt, hat sich somit geklärt: die Praktikanten.

Dieses Praktikum beim Radio war wirklich sehr interessant und hat mir – ganz im Gegensatz zum Vorurteil der Praktikanten als „Kaffeekocher“ – eine große Auswahl an Einblicken in die Berufswelt eines Redakteurs geboten. Ich wurde von allen Mitarbeitern herzlich aufgenommen und in die Arbeiten mit einbezogen.
Wem sich also die Möglichkeit zu einem solchen Praktikum bietet, der sollte sie auf jeden Fall nutzen, denn es ist eine tolle Erfahrung. Mir hat mein Radio-Praktikum gezeigt, wie vielseitig der Beruf des Redakteurs ist.

Hanna Schöttner, damals 9c